Geschichte der Rotunde
Die Rotunde war eines der beeindruckendsten Bauwerke des historischen Wien. Errichtet wurde sie anlässlich der Wiener Weltausstellung 1873 im Prater und befand sich ungefähr dort, wo heute der Campus der Wirtschaftsuniversität Wien liegt. Entworfen vom Architekten Carl von Hasenauer, war sie mit ihrer monumentalen Kuppel ein Symbol für Fortschritt, Technik und die internationale Bedeutung der Habsburgermonarchie.
Die Rotunde bestand aus einer gewaltigen Eisen- und Stahlkonstruktion, die teilweise mit Holz, Blech, Gips und Stuck verkleidet war. Ihre Kuppel erreichte eine Höhe von 84 Metern und einen Durchmesser von 108 Metern. Damit war sie zur Zeit ihrer Errichtung die größte Kuppel der Welt und übertraf sogar das berühmte Pantheon in Rom deutlich.
Der kreisrunde Zentralbau wurde von vier jeweils 190 Meter langen Galerien umgeben, die in die vier Himmelsrichtungen verliefen. Der rund 8.000 Quadratmeter große Innenraum diente während der Weltausstellung als zentraler Treffpunkt für Besucherinnen und Besucher sowie als Veranstaltungsort für offizielle Empfänge. Hier waren unter anderem die Ausstellungen Österreich-Ungarns und des Deutschen Reiches untergebracht. Über dem Bauwerk erhob sich eine vergoldete Nachbildung der österreichischen Kaiserkrone, die weithin sichtbar das gesamte Ausstellungsgelände überragte.
Am 1. Mai 1873 wurde die Weltausstellung feierlich eröffnet, obwohl die Rotunde zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig fertiggestellt war. Die Ausstellung sollte Wien als moderne Weltmetropole präsentieren. Doch nur wenige Tage später erschütterte der Wiener Börsenkrach die Wirtschaft, und zusätzlich schreckte eine Choleraepidemie viele Besucher ab. Die erhofften Einnahmen blieben aus, und die Weltausstellung endete mit einem hohen Defizit.
Ursprünglich war geplant, die Rotunde nach der Ausstellung wieder abzutragen. Aufgrund der enormen Kosten wurde dieses Vorhaben jedoch nie umgesetzt. Stattdessen entwickelte sich das Bauwerk zu einem bedeutenden Veranstaltungszentrum Wiens. Über Jahrzehnte hinweg fanden hier Messen, Industrieausstellungen, Konzerte, Theater- und Zirkusaufführungen sowie zahlreiche andere Großveranstaltungen statt. Die Rotunde wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt und prägte das Bild des Praters über mehr als sechzig Jahre hinweg.
Ihr Ende kam am 17. September 1937. Ein Großbrand erfasste die Konstruktion und breitete sich aufgrund der großen Mengen an verbautem Holz rasch aus. Trotz eines umfangreichen Feuerwehreinsatzes stürzte die Rotunde nach kurzer Zeit in sich zusammen und wurde vollständig zerstört. Mit ihr verlor Wien eines seiner markantesten Bauwerke.
Heute erinnert nur noch wenig an die einstige Pracht. Namen wie Rotundenallee, Rotundenbrücke oder Rotundenplatz halten die Erinnerung an das Bauwerk wach. Auch an der Fassade der Rotunden Apotheke in der Ausstellungsstraße erinnert eine Stuckdarstellung an die Silhouette jener gewaltigen Kuppel, die einst das Wahrzeichen der Wiener Weltausstellung war.

